Lutz Wingert: Katalogdaten im Herbstsemester 2023

NameHerr Prof. em. Dr. Lutz Wingert
LehrgebietPhilosophie, insbesondere praktische Philosophie
Adresse
Dep. Geistes-,Sozial-u.Staatswiss.
ETH Zürich, RZ F 2
Clausiusstrasse 59
8092 Zürich
SWITZERLAND
E-Maillutz.wingert@gess.ethz.ch
DepartementGeistes-, Sozial- und Staatswissenschaften
BeziehungProfessor emeritus

NummerTitelECTSUmfangDozierende
851-0095-00LAlles relativ? Über wissenschaftliche Autorität, Meinungswandel und universelle Normen
Die Doktorierenden können sich die Leistung dieses Kurses im Bereich «überfachliche Kompetenzen» anrechnen lassen.
3 KP2GL. Wingert
KurzbeschreibungAlles relativ? „Ja“ heißt es jetzt oft in Gesellschaften des Westens, Ostens und Südens. Die Wissenschaften sind auch nur ein Überzeugungssystem neben anderen wie die Religionen. Menschenrechte sind eine Erfindung im westlichen Interesse. Die Realität ist standpunktrelativ. Denn man kann keinen Standpunkt von nirgendwo einnehmen. Was gestern als Wissen galt, gilt heute nicht mehr. Stimmt das?
LernzielWer die erklärte Literatur liest und den Diskussionen darüber folgt, wird Antworten auf eine Reihe von Fragen kennen lernen und beurteilen können:

1. Was sind Gründe für die Autorität von Wissenschaften im 21. Jahrhundert?
2. Wissenschaftliche Theorien über die Welt sind unvollständig und wandeln sich. Folgt daraus, dass die Autorität der Wissenschaften zweifelhaft oder sogar illegitim ist?

3. Soziale Verhaltensnormen und wissenschaftliche Methoden variieren mit historischen Zeiten und Kulturen. Folgt daraus, dass es keine universell gültigen Verhaltensnormen gibt?
Muss man alle Kulturen und Methoden gleichermaßen akzeptieren?

4. Wir Menschen urteilen über die Welt und handeln in der Welt mit bestimmten Hintergrundüberzeugungen, Werten und Interessen. Folgt daraus, dass die erfahrbare Realität standpunktrelativ ist?

5. Was ist ein richtiges und was ein falsches Verständnis von „relativ“, „Relativismus“?

6. In welchem Sinn ist eine Wahrheit relativ und in welchem Sinn nicht?

7. Wie muss man das Verhältnis von „relativ“/“Relativismus und „objektiv“/“Objektivität“ verstehen?
LiteraturLiteratur in alphabetischer Reihenfolge:

Martin Carrier, Wissenschaft im Griff der Wirtschaft. Auswirkungen kommerzialisierter Forschung auf die Erkenntnisgewinnung, in: Gerhard Schurz, Martin Carrier (Hrsg.), Werte in den Wissenschaften. Neue Ansätze zum Werturteilsstreit, Berlin 2013, S. 374 -396.

Nancy Cartwright, A Philosopher Looks At Science, Oxford 2022, I. The Melange of Theory Ingredients: Concepts; Models and Narrativs; Diagrams, Illustrations, and Graphs; Experiments and the Testing of Theory, S. 19-61.

Pascal Engel, Les vices du savoir. Essai d’éthique intellectuelle, Marseille 2019, Teil V, Kap. 1: Les valeurs et normes épistémiques sont-elles simplement sociales?, S. 275-293; Kap. 3: Quelles taxinomies pour les vertus et les vices intellectuels?, S. 298-311.

Stephen Gaukroger, Objektivität. Ein Problem und seine Karriere, Dietzingen 2012.

Jürgen Habermas, Vom pragmatischen, ethischen und moralischen Gebrauch der Vernunft, in: ders., Erläuterungen zur Diskursethik, Frankfurt/M. 1991, S. 100 -118.

Sandra Harding, Objectivity and Diversity, Chicago 2015, Kap 7: After Mr. Nowhere. New Proper Scientific Selves, S. 150-173.

Katja Hosling, Roseanne Russell, Discrimination Law, Equality Law, and Implicit Bias, in: Michael Brownstein, Jennifer Saul (Hrsg.), Implicit Bias & Philosophy. Moral Responsibility, Structural Injustice, and Ethics, Oxford 2016, S. 255-278.

Matthias Mahlmann, Mind and Rights. The History, Ethics, Law and Psychology of Human Rights, Cambridge 2023, Kap. 3.6: The Many Roots of Human Rights, S. 180-198.

Thomas Nagel, Das letzte Wort, Stuttgart 1997, Einleitung; Kap. 6: Ethik; S. 9-21; 148-185.

Jürgen Renn, Die Evolution des Wissens. Eine Neubestimmung der Wissenschaft für das Anthropozän, Berlin 2022, Teil 2: Wie sich Wissensstrukturen wandeln. Kap. 4: Strukturelle Veränderungen in Wissenssystemen, S. 155-198.

Amartya Sen, The Reach of Reason, in: ders., The Argumentative Indian. Writings on Indian Culture, History and Identity, London 2006, S. 273-293.

Peter Unger, Philosophical Relativity, Oxford 1984, Teil III: A Relativistic Approach to Some Philosophical Problems, S. 46-64.
KompetenzenKompetenzen
Fachspezifische KompetenzenKonzepte und Theoriengeprüft
Methodenspezifische KompetenzenAnalytische Kompetenzengeprüft
Problemlösunggeprüft
Soziale KompetenzenKommunikationgefördert
Kooperation und Teamarbeitgefördert
Sensibilität für Vielfalt geprüft
Persönliche KompetenzenKreatives Denkengeprüft
Kritisches Denkengeprüft
851-0125-71LWer ist für was verantwortlich? Über persönliche individuelle und kollektive Verantwortung
Besonders geeignet für Studierende D-ARCH, D-BAUG, D-HEST, D-MTEC, D-USYS

Die Doktorierenden können sich die Leistung dieses Kurses im Bereich «überfachliche Kompetenzen» anrechnen lassen.
3 KP2GL. Wingert
KurzbeschreibungVerantwortung ist ein Schlüsselbegriff in der westlichen Alltagsmoral. Oft wird die Verantwortung des Einzelnen betont. Andererseits wird auf die Grenzen der individuellen Verantwortung hingewiesen, z.B. für einen für das Abschmelzen der Polkappen, für ungerechte Verhältnisse. Für was ist der Einzelne, für was sind wir zusammen verantwortlich? Und können Roboter Verantwortung tragen?
Lernziel1. Es soll geklärt werden, was es heißt, dass jemand für sein Handeln, für die Folgen seines Tuns und für gesellschaftliche Verhältnisse verantwortlich ist.

2. In der Sozialphilosophie gibt es die Auffassung, dass nur individuelle Personen und nicht Firmen oder Institutionen oder Staaten Verantwortung tragen können. Die Studenten sollen die Stärken und Schwächen dieser Auffassung des methodologischen Individualismus einschätzen können.

3. Es sollen unterschiedliche ethische (normative) Antworten auf die Frage geprüft werden: Was heißt kollektive und individuelle Verantwortung in Wirtschaftsunternehmen, als Wissenschafter und als politischer Bürger?

Das Thema des Kurses steht in Verbindung zu schwierigen, aktuellen gesellschaftlichen Problemen: Wie sehr sind Individuen, z.B. als Konsumenten, und Staaten für wirtschaftliches Elend verantwortlich und was heißt Verantwortung in der Flüchtlingskrise Europas? - Wie sehr sind Individuen und Kollektive für ökologische Probleme, z.B.für den Klimawandel verantwortlich?
KompetenzenKompetenzen
Fachspezifische KompetenzenKonzepte und Theoriengeprüft
Methodenspezifische KompetenzenAnalytische Kompetenzengeprüft
Problemlösunggeprüft
Soziale KompetenzenKommunikationgefördert
Kooperation und Teamarbeitgefördert
Sensibilität für Vielfalt geprüft
Persönliche KompetenzenKreatives Denkengeprüft
Kritisches Denkengeprüft
862-0004-17LForschungskolloquium Philosophie für Masterstudierende und Doktorierende (HS 2023) Belegung eingeschränkt - Details anzeigen 2 KP1KN. Mazouz, M. Hampe, L. Wingert
KurzbeschreibungEs werden laufende Forschungsarbeiten von Doktoranden, Habilitanden und von Kollegen vorgestellt und diskutiert. Darüber hinaus werden vielversprechende philosophische Neuerscheinungen (Aufsätze und Auszüge aus Monographien) studiert werden.
LernzielEs sollen Ideen und Argumente zu systematischen Problemen insbesondere in der Erkenntnistheorie, in der Ethik, in der politischen Philosophie und in der Philosophie des Geistes geprüft und weiter entwickelt werden.